SPD-Stadtratsfraktion Neu-Ulm

Saudi-Arabien am Hindukusch - Marc Thörner berichtet aus Afghanistan

    4. März 2010

Trotz starker Konkurrenz im Fernsehen mit Länderspiel und Nockherberg fanden sich gut 50 Personen zum Auftakt des Roten Sofas der Neu-Ulmer SPD am Mittwochabend im Petrussaal ein. Der Journalist und Islamwissenschaftler Marc Thörner lieferte den Zuhörern in seinem Vortrag und in der lebhaften Diskussion keine leichten Antworten auf die Probleme in Afghanistan.

Marc Thörner, der in seinem Buch ‚Afghanistan Code’ eine Reportage und Analyse über den Krieg am Hindukusch verfasst hat, äußerte seine Zweifel an der neuen Afghanistan Strategie, die auf eine stärkere Zusammenarbeit mit lokalen Führern und Warlords abzielt. In seinen Augen werden damit die religiösen und extremistischen Kräfte in Afghanistan gestärkt. Für den Rundfunkreporter Marc Thörner ist der Einsatz inzwischen ein vorrangig Geostrategischer, in dem es einzig um Öl, Gasfelder und die wichtige Nord-Süd-Verbindung geht. Um die beschworenen Werte Freiheit und Demokratie geht es in seinen Augen längst nicht mehr.

Die schwerwiegendsten Probleme sieht er in der Justiz, die Urteile nach dem religiösen Gesetz der Scharia fällt, und in der Regierung Karsai, die selber verstärkt religiös extremistisch handelt. Die Außenpolitiker der westlichen Verbündeten scheinen eine stabile Lage für den Preis eines „Saudi-Arabiens am Hindukusch“ zu akzeptieren. Für Marc Thörner wäre die einzige Lösung ein Zurück zur Strategie des Nation Buildings, wo Demokratisierung und ein Zentralstaat wesentliche Kernpunkte waren.